Bürgerstiftungsfonds - warum?

Kleineres Stiftungskapital kann nicht breit und damit relativ sicher angelegt werden. Es ist schwierig, eine gute Streuung der Anlageformen zu finden. Es wird unübersichtlich und für Stiftungen risikoreicher. Wenn (Bürger)Stiftungen zudem Treuhandstiftungen verwalten, müssen sie für jede Treuhandstiftung ein gesondertes Depot führen. Damit wird die Streuung des Kapitals noch schwieriger und unübersichtlicher, insbesondere wenn alle verwalteten Treuhandstiftungen in einer einheitlichen Struktur anlegen (sollen). In diesen Situationen werden meist Fonds gekauft, wie z.B. den Deka-Stiftungen Balance oder der DWS Stiftungsfonds. Diese standardisierten Investmentfonds werden nach einem einheitlichen Muster verwaltet und können den individuellen Anforderungen der jeweiligen Bürgerstiftungen nicht nachkommen. Einen Einfluss auf die Streuung des Kapitals und auf die Kosten hat die Stiftung nicht. Gibt es Fehlentscheidungen, erfährt man diese erst dann, wenn das „Kind bereits in den Brunnen gefallen“ ist.

Die Bürgerstiftung Braunschweig hat einen neuen Weg beschritten und hat mit ihrer „Hausbank“ der Braunschweigischen Landessparkasse (ein Unternehmen der Nord/LB) einen Stiftungsfonds entwickelt: Der Bürgerstiftungsfonds ist bisher einzigartig in der deutschen Stiftungslandschaft. Die Bürgerstiftungen entscheiden unabhängig über den aus acht Personen bestehenden Anlageausschuss über die Struktur des Vermögens, sie werden dabei von Fachleuten beraten. Maßgeblich sind die jeweiligen Ausschüttungsanforderungen, das Zinsniveau und die Risikotragfähigkeit. Alle Wertpapiere, Anlageklassen und die Beschlüsse des Anlageausschusses sowie die Kosten werden offengelegt.

Die Bürgerstiftung Braunschweig hatte bereits bei der Auflage des Fonds die Idee, die Anlagestrategie auf Basis nachhaltiger Kriterien umzusetzen. Doch was heißt eigentlich Nachhaltigkeit? Jeder hat dafür seine eigene Definition. Die Bürgerstiftung Braunschweig ist auch hier einen neuen und innovativen Weg gegangen. Sie hat über einen Zeitraum von über 6 Monaten mit anderen Stiftungen und Stiftern ihre eigenen Kriterien entwickelt. Sie hat sich an keinen bestehenden Kriterien angelehnt, sondern ihre eigenen Werte definiert. Dabei hat das unabhängige Beratungsunternehmen "imug" aus Hannover unterstützt, die eine über 20-jährige Expertise haben und zu den Marktführern in Deutschland gehören.

Dabei hat die Bürgerstiftung u. a. folgende Kernbereiche definiert:

zukunftsfähige Ressourcennutzung
- Einhaltung von Umweltstandards
- nachhaltige Forstwirtschaft
- Einhaltung von Biodiversitätskonventionen

Energie
- Unterstützung des Kyoto-Protokolls
- Umsätze mit fossilen Brennstoffen (Begrenzung auf max. 10% des Gesamtumsatzes)
- Atomkraft (Ausschluss)

Gerechtigkeit
- Einhaltung von Anti-Korruptionskonventionen
- Einhaltung internationaler Arbeitnehmerrechte
- Maßnahmen zum Schutz internationaler Menschenrechte

Teilhabe und Gleichberechtigung
- Arbeitsplatzsicherheit und Stellenschaffung
- Aus- und Weiterbildung
- Verantwortungsvolle Kreditvergabe
- Gesundheit und Arbeitsschutz

Zusätzlich hat die Bürgerstiftung Braunschweig den Anspruch, dass die Rendite auf gar keinen Fall leiden darf. Hierfür hat die NordLB ein auf fundamentalen Kennzahlen basiertes System entwickelt. Das Bewertungsmodell filtert aus weltweit 2050 Unternehmen die heraus, die sowohl günstig bewertet als auch langfristig solide und robust sind und den genannten Kriterien entsprechen. Diese Kombination ist bislang ebenfalls einzigartig.

Nach dem Motto Bürgerstiftungen tauschen sich aus und helfen einander, ist der Fonds auch für andere Bürgerstiftungen und Stiftungen eine alternative Anlagekategorie geworden.

Vorteile des Stiftungsfonds der Bürgerstiftung Braunschweig:

  • Es handelt sich um einen Publikumsfonds mit eigener Wertpapierkennnummer.
  • Bürgerstiftungen entscheiden über den Anlageausschuss, mit der Unterstützung von Experten, in regelmäßigen Abständen über die Struktur sowie die einzelnen Anlageklassen. Der Anlageausschuss besteht aus 8 Personen (dem Stiftungsmanager, zwei Bankern der hiesigen Nord LB und fünf Personen aus unserem Umfeld, hinzu kommen vier Gastmitglieder von Stiftungen die ebenfalls Geld in den Fonds investiert haben).
  • Der Bürgerstiftungsfonds ist flexibel steuerbar und kann auf niedrige Zinsniveaus und veränderte Kapitalmarktsituationen schnell reagieren.
  • Der Bürgerstiftungsfonds ist unabhängig von einzelnen Vermögensberatern und kann weitere Experten einbeziehen.
  • Alle Kosten werden detailliert offengelegt.
  • Alle sog. „Kick-Backs“ werden dem Fondsvermögen zugeschlagen und reduzieren so die Kosten bzw. erhöhen das Kapital.
  • Der Bürgerstiftungsfonds wird in der Zusammenarbeit mit dem unabhängigen Institut „imug“ nach den Nachhaltigkeitskriterien des Verbandes der Bürgerstiftungen ausgerichtet. Alle Entscheidungen werden dazu offen gelegt.
  • Novum in der Stiftungslandschaft.
  • Die Anteile können in jedem Depot bei jeder Bank geführt werden, also eine Bankwechselerfolgt nicht, Sie bleiben bei Ihrer Bank.
  • Ausgabekosten entstehen für Bürgerstiftungen nicht.

Der Bürgerstiftungsfonds wird unter A1W0P6 gehandelt.