Meine erste Fahrt mit der E-Rikscha

Ende April 2021, endlich meine erste Fahrt mit der E-Rikscha mit echten Fahrgästen! Im Innenhof des Elisabeth-Heims steht die Rikscha schon bereit, ebenso zwei gutgelaunte Mitbewohnerinnen mit ihren Rollatoren. Zwei Mitarbeiterinnen helfen beim Einsteigen und knüpfen auch die Decke fest. Denn die Sonne strahlt zwar, aber der Ostwind ist eisig.

Der „Fahrkurs" mit Wolfgang Jahns auf dem Löwenwall ist schon eine Weile her, aber die beiden Damen auf dem Vordersitz plaudern zum Glück entspannt, so dass ich mich kurz einfuchsen kann und dann mit voller Motor-Unterstützung und im niedrigsten Gang den Hang zur Maschstraße hochfahre. Wertvolle Fracht und gleich auf eine richtige Straße! Zum Glück ist nicht viel los, und wir schwenken sicher auf die rechte Spur ein. Mit der Rikscha legt man schon einen großzügigen Bogen hin, denn der Wendekreis ist deutlich größer als beim Fahrrad. Bei der Einfahrt in den Inselwallpark wartet die nächste Herausforderung: die erste Bogenbrücke mit Gegenverkehr. Auch das klappt unfallfrei, und nun wird es auch für mich entspannter. Die Damen freuen sich sowieso schon die ganze Zeit, wie grün alles ist, und auch, wenn es mal etwas holpert am Bordstein. Wir entdecken Kastanien mit dicken Knospen und leuchtend-hellgrüne Ahornbäume. Jogger winken uns zu, und ein Spaziergänger ruft „Toll!". Ein großes Beet mit gelben Narzissen begeistert meine Fahrgäste besonders, und wir legen eine kleine Pause in der Sonne ein.

Für die beiden Damen vorne ist fast alles neu oder interessant – die Graugänse in der Wiese, Kinder auf Rollern, der Turm von St. Andreas und die große Fontäne, die wir einmal umrunden. Soweit sind die beiden offensichtlich selten gekommen. Jedenfalls staunen sie über die Größe des Parks und rätseln ein wenig, an welcher Straße die Häuser am anderen Okerufer eigentlich liegen. Die beiden stammen aus dem Siegfriedviertel und aus Hondelage, wie ich im Gespräch erfahre, haben dort jahrzehntelang gelebt, viel erlebt, kannten viele Leute und können viel erzählen. Dass sie nun auch ihr neues Wohnumfeld auf drei Rädern besser erkunden können, scheint ihnen gut zu gefallen. Beim Aussteigen strahlen sie, und ich bin froh, dass ich Anfang Februar zufällig in einen Live-Chat der Bürgerstiftung Braunschweig zum „Radeln ohne Alter" auf Instagram geraten bin und spontan beschlossen habe, mich als Pilotin zu melden. Hoffentlich kann ich noch oft mit Seniorinnen und Senioren auf Tour gehen!

Katja Niedzwezky

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