Anderen Gutes zu tun, macht viel mehr Spaß

Eckard Wohlgehagen ist ein gewitzter Geschichtenerzähler mit scharfem Verstand. Seine Lebenslust blitzt im Interview mit ihm immer wieder hervor. Die Arbeit seiner Ecki Wohlgehagen-Stiftung, die die Bürgerstiftung treuhänderisch verwaltet, entspringt seinem Selbstverständnis von der Verpflichtung für das Gemeinwohl.

Herr Wohlgehagen, wer die Arbeit Ihrer Stiftung nachverfolgt merkt schnell: Die Universitätslandschaft liegt Ihnen besonders am Herzen. Warum?
Wenn man eine Stiftung gründen möchte, ist die Grundfrage: Für wen mache ich das überhaupt? Ich wollte etwas für die Region tun und etwas für die Zukunft. Das waren für mich vor allem die Themen Kinder und Wissenschaft. Damals, als ich damit anfangen wollte, kam mir die Gründung der Bürgerstiftung im Jahr 2003 sehr gelegen, denn so konnte ich meine Stiftung treuhänderisch an die Bürgerstiftung hängen. Und da die Bürgerstiftung bereits viel für Kinder macht, haben wir den Fokus meiner Stiftung dann auf die Wissenschaft gelegt. Und da besonders darauf, Jugendliche an die Ingenieurs- und Naturwissenschaften heranzuführen.

Sie kommen ja selber aus dem Bereich.
Als kleiner Junge wollte ich Flugzeuge bauen. Ausgehend von diesem Traum bin ich von Kiel nach Braunschweig zum Studium gekommen. Ich habe Maschinenbau studiert mit der Fachrichtung Flugzeugbau. Nach dem Studium bin ich dann aber in der Unternehmensberatung gelandet.
Aber Ihre Leidenschaft für die Ingenieurs- und Naturwissenschaften ist geblieben?
Ja, ich habe ein persönliches Interesse an dem Thema und möchte auch junge Menschen dafür begeistern. Deswegen fördere ich beispielsweise das Schüler-Chemielabor der TU Braunschweig oder die Kiwi-Forschertage. Ich habe aber auch schon andere Veranstaltungen der TU unterstützt, um bei Schülern Interesse an den Naturwissenschaften zu wecken.

Gibt es ein Projekt, das Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?
Die Universität ist ja eigentlich so ein Staat im Staat. Der frühere Präsident der TU, Professor Hesselbach, hat das begriffen und so kamen Dinge zustande wie die Stadt der Wissenschaft und das Haus der Wissenschaft. So hat er die Universität transparenter und nahbarer gemacht. Das war eine sehr schöne Leistung. Und deswegen hat meine Stiftung gern Events wie die TU Night gefördert, denn solche Veranstaltungen öffnen die Universität weiter. Das ist auf der TU Night schon immer interessant, zu sehen, was an der Uni los ist. Natürlich kann man nicht in der ganzen Tiefe aufnehmen, was da wissenschaftlich passiert – aber es ist schon spannend zu sehen, wie groß das Interesse an der ganzen Geschichte ist und wer sich da alles tummelt.

Wie entscheiden Sie über Förderungen wie zum Beispiel der TU Night?
Der Stiftungsrat hat einmal im Jahr eine Sitzung. Ansonsten telefonieren wir und ich treffe mich zwischendurch mal mit Herrn Deissner, der neben Herrn Smyrek und mir Mitglied des Stiftungsrats ist. Wir halten zusammen Ausschau nach neuen Projekten und entwickeln Ideen.
Gibt es aktuelle Pläne für Ihre Stiftung?
Also im Augenblick ist es so, dass wir versuchen, ein bisschen mehr Struktur in die Zielsetzung zu bringen. Vor allem diese Labor-Geschichten für Schüler und Studenten passen genau zur Stiftung. Das würde ich gern ausbauen. Außerdem arbeiten wir eng mit dem Hochschulbund zusammen. Der hat die engeren Connections zu den Professoren und Instituten. Herr Köcher, der Geschäftsstellenleiter des Hochschulbunds, weiß dadurch genauer, wo der eigentliche Bedarf liegt. Wird solcher beim Hochschulbund angemeldet, wendet sich Herr Köcher immer mal wieder an mich: „Das wäre doch was für Sie.“ Die Professoren wissen ja nicht unbedingt von meiner Stiftung. So bekommen wir die Informationen vom Hochschulbund und wir stimmen dann über eine Förderung in unserem kleinen Kreis ab. Das funktioniert gut.

Sie widmen sich Ihrer Stiftungsarbeit offensichtlich mit viel Engagement.
Ich habe eine vernünftige Ausbildung erhalten, durfte studieren und mich später beruflich verwirklichen, wie ich wollte. Und das habe ich dann auch sehr erfolgreich getan. Meine Grundbedürfnisse sind dadurch mehr als gedeckt. Ich finde, daraus erwächst eine Verpflichtung dem Gemeinwohl gegenüber. Ich habe zwei Verpflichtungen: Ich muss meine Steuern bezahlen, das ist ganz selbstverständlich und dann bin ich noch in der Kirche. Aber ich denke, es bleibt noch eine Verantwortung, darüber hinaus etwas zu tun. Das ist das eine. Das andere ist, das sage ich mal ganz ehrlich: Anderen Gutes zu tun, macht viel mehr Spaß als Geld für unnötiges Zeug auszugeben.